Thor Kunkel, Berlin Foto: Commissioned

Geboren:

Am 2. September 1963 in Frankfurt am Main (West-Deutschland) als Sohn des Maschinenbau-Ingenieurs Udo A. F. Kunkel und seiner aus Magdeburg stammenden Ehefrau und veterinärmedizinischen Assistentin Gudrun, geborene Hartwig. Aufgewachsen in der Friedrich-Ebert-Siedlung (vom Volksmund „May-Löcher“ genannt) in einem der am frühsten kulturbereicherten Viertel der Stadt (dem „Kamerun“, heute Gallus-Viertel genannt). Väterlicherseits: Handwerksmeisterliche Künstlernaturen, Großvater Richard Kunkel, Klavier, ab 1934 Dirigent des Herchenröder Quartetts, Urgroßvater Albert Verchau (stammte von eingewanderten Hugenotten ab) leitete seit 1922 gemeinsam mit dem österreichisch-deutschen Kunstprofessor Franz Karl Delavilla die Lithografenklasse der Städelschule (an der TK studierte). Mütterlicherseits: Dachdecker, Unternehmer, darunter ein polnischer Wodka-Fabrikant mit dem illustren Namen Roman Bialkowski, der in einer Winternacht in der Gegend von Buckau auf der Schwelle seiner Haustür erfror.

Studierte:

Bildende Kunst an der Staatlichen Hochschule (Städel, siehe oben), Frankfurt am Main, unter der Ägide des Popkünstlers Thomas Bayrle. Stipendium am San Francisco Art Institute, Schwerpunkt: Xerox, Siebdruck und Film.

Schon damals interessiert an Garbology („Müllarchäologie“). Besitzt heute eine Sammlung von etwa 1000 Monotypien von industriellen Objets trouvé, die urbanen Schichtsedimenten entstammen.

Wichtig:

Die Filme von Stanley Kubrick, Rainer Werner Fassbinder, Passolini, Martin Scorsese, Kurosawa, Buñuel, sowie die meisten der Giallo-Filme mit Tomás Milián („Der Todesengel“).

Noch wichtiger:

Die Philosophie des Kybernetikers Norbert Wiener.

Das Jahr, in dem seine Bücher verschwanden:

Der Skandal um Endstufe –: Hier haben Thema und Inhalt einer Fiktion die in Deutschland akzeptierten Grundlagen politisch korrekten Denkens an neuralgischen Punkten berührt. (siehe auch: Zum Abschuss freigegeben. Ein Medientagebuch, 2020). Versteht sich seitdem als „displaced person“ in intellektueller und geografischer Hinsicht.

Verflossene Wohnorte, an denen seine Schreibtische standen:

London (GB), San Francisco (USA), Amsterdam (NL), El Paso (E), Leuwen (B), Berlin (D), Düsseldorf (D), Hamburg (D), Bern (CH).

Hört noch immer beim Schreiben (aber nie in dieser Reihenfolge):

Händel, Telemann, Sibelius, Satie, The Prodigy, Dead Can Dance, Vaughan Williams, Chopin (ausschließlich die Walzer und Nocturnes), Suicide, Jon Leifs, Sir Arnold Baxter, Strauss (ausschließlich Vier letzte Lieder), Sal Soul Orchestra, Velvet Underground, die Adagios von Mahler.

Literarische Koordinaten:

für die Tapferkeit vor dem Freund, /
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse /
und die Nichtachtung /
jeglichen Befehls. (Ingeborg Bachmann)

Bibliografie