Traumsubstanzen (2000 – 2015)

In den finsteren Zeiten,
wird da auch gesungen werden?
Da wird auch gesungen werden.
Von den finsteren Zeiten.

– Bertolt Brecht

  • Das Schwarzlicht-Terrarium, Rowohlt-Reinbek, 2000
  • Ein Brief an Hanny Porter, 2001
  • Endstufe, Eichborn Berlin, 2004
  • Kuhls Kosmos, PulpMaster Berlin, 2008
  • Schaumschwester, Matthes & Seitz Berlin, 2010
  • Subs, Wilhelm-Heyne-Verlag, München, 2011

Einen Thor Kunkel gibt es nicht.

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Lassen.

Einen Thor Kunkel gibt es nicht. Dafür ist das literarische Werk des 1963 geborenen deutschen Autors zu vielschichtig; Kunkels Werke oszillieren buchstäblich, – sie entspringen einer produktiven Verschleifung von Hoch- und Populärkultur, ikonographisch nachweisbaren Ketten von Zitaten und wiederentdeckten literarischen Formen, kurzum – einer „Psychobiologisierung des Schreibens“, Riesen-Widersprüche eingeschlossen –, und dieses Schillern seiner literarischen Methodologie, seiner kaleidoskopischen Denkweise bietet Anknüpfungspunkte für die unterschiedlichsten Weltsichten und Ideologien. Es gibt viele Thor Kunkels – er selbst sprach einmal von seiner „glücklichen Auflösung im Gemurmel von aller Welt“.

Wofür steht Thor Kunkel heute? Mit der Erfindung einer literarischen Gossensprache („Jock talk“ im Schwarzlicht-Terrarium), die heute in ganz Berlin Mitte gesprochen wird, und eines ästhetisch erfassten Gedenkraums jenseits von Auschwitz ist Kunkels Endstufe, sein wohl radikalstes Werk, zum historischen Fluchtpunkt der längst überfälligen erinnerungspolitischen Wende geworden.

Unbestreitbar ist auch, dass Kunkel mit seinen literarischen Großprojekten einer neuen, kulturgeschichtlich orientierten Literaturgeschichte den Weg bereitet hat. Unbeabsichtigt, aber Hegel nicht unähnlich, hat Kunkel zwei Schreibschulen (Schreibweisen) geprägt, die man, wäre die Unterteilung intellektueller Bewegungen in politische Lager nicht so fragwürdig und nur in Deutschland statthaft, als Links- und Rechts-Schwarzlicht-Terraner bezeichnen könnte. Zeitgeist und Gegenzeitgeist, sie sind die Pole seiner Literatur. Kunkel weitete den an Film und Biologie geschulten Blick nun auch auf die Textproduktion seiner Gegenwart aus: Er äußerte sich mehrfach zur Entstehung eines neuen Totalitarismus und versuchte – ganz gleich ob die deutschen Journalisten das für wahr haben wollen – Verbindungslinien zu den in Verruf geraten naturwissenschaftlichen Theorien zu ziehen. Vor allem aber ist es Kunkels Leistung, in einer Zeit der Gleichschaltung und Nivellierung, Literatur mit Blick auf die realen wirtschaftlichen und privaten Hintergründe, auf den Kontext eines Werks als Wirtschafts- und Sozialgeschichte zu erzählen und so die realen, materiellen Grundlagen und Voraussetzungen den ideologischen Pathosformeln seiner Kollegen entgegenzusetzen.

Auch sein erstes Sachbuch „Das Wörterbuch der Lügenpresse“ (soeben erschienen) ist keine Gefälligkeitsliteratur, sondern ein wichtiger Beitrag zur Diskussion eines Autors, dessen Schriften im Dickicht divergenter Denunziationen verlorenzugehen drohen.

 

Beiträge zu Anthologien

„Restlicht“ in Weihnachten und andere Katastrophen, 299 Seiten, Ullstein Tb (1998), ISBN-10: 3548244939, ISBN-13: 978-3548244938

 

„Das Doppelleben der Amöbe“ in Klagenfurter Texte, Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1999, 249 Seiten, Piper (1999), ISBN-10: 3492041612, ISBN-13: 978-3492041614

 

„Das Maß aller Dinge“ in Schicke neue Welt, 269 Seiten, Ullstein Tb (1999)

ISBN-10: 3548246257, ISBN-13: 978-3548246253

 

„Die Ampel-Theorie“ in Die Akte Ex – Abrechnungen mit der Liebe von gestern,  283 Seiten, Rowohlt Taschenbuch Verlag (2000), ISBN-10: 3499226693, ISBN-13: 978-3499226694

 

„Gefrierpunkte“ in Eiszeit – 25 Autoren schlottern vor Kälte, Band 1631, 328 Seiten, Aufbau Taschenbuch Verlag (2000),  ISBN 374661631-X

 

„Botschaften an den Stoffwechsel“ in Annika – 33 Erzählungen von deutschen Autoren, 181 Seiten, Schneekluth (2002), ISBN-10: 379511814X, ISBN-13: 978-3795118143

„Plasmasymphonie“ in Plasmasymphonie und andere Visionen, 254 Seiten,

Shayol Verlag(2006), ISBN-10: 3926126663, ISBN-13: 978-3926126665

 

„Aphromorte“ in Der Moloch und andere Visionen, 352 Seiten,

Shayol (2007), ISBN-10: 3926126744, ISBN-13: 978-3926126740

 

„Bockwurst-Party bei Boris“ in Sex ist eigentlich nicht so mein Ding, Eichborn Verlag; Auflage: 1. (2007), 245 Seiten, ISBN-10: 3821858036, ISBN-13: 978-3821858036

 

„Das entomologische Gastmahl“ in Bloß keinen Grießbrei an Heiligabend,

272 Seiten, Ullstein Hardcover (2010) ISBN-10: 3550088310, ISBN-13: 978-3550088315

 

Essays

 

„Quo vadis, deutscher Sackabski?“ in Attacke auf den Mainstream,

220 Seiten, Manuscriptum; Auflage: 1. (2014), ISBN-10: 3944872096, ISBN-13: 978-3944872094

 

„Semper in excretio solum profundum variat“, in Tumult-Magazin – Vierteljahresschrift für Konsensstörung, (2014), 96 Seiten ISBN: 978-3-9813184-6-3