Trotz aller Amputationen

NEU: Schriftsteller, Bergsteiger und kreativer Werbe-Stratege – Thor Kunkels Lebenslauf ist mehr als unkonventionell. Mit seinen Romanen versucht er eine neue Wirklichkeit literarisch zu beschreiben, in der die Nachkriegsmythen der Überliteraten Böll und Grass nur noch Fußnoten sind. Eine solche Prosa muss in ihrem Kern subversiv sein und widerspricht klar den Vorgaben des von Alt-68ern und Gutmenschen dominierten Literaturbetriebs, in dem One-World-Gesinnungsaufsätze und Schuldkult-Ergüsse von prosaischen Fuselbrennern noch immer über den grünen Klee gelobt werden. Doch die Zeiten ändern sich: Kunkels satirischer Roman Subs, der bereits 2011 die „Balkanisierung“  Deutschlands vorweg nahm – und in diesem Kontext auch die Berliner Republik als rechtsfreies Niemandsland porträtierte – wird gerade von Star-Regisseur Oskar Röhler mit einer hochkarätigen Besetzung verfilmt. Nicht vielen Schriftstellern ist die Verfilmung ihrer Werke vergönnt. Trotzdem stellt Reporter Marc Reichwein Thor Kunkel in der WELT vom 24.6. 2017 als einen Gescheiterten dar.

©2017 by Miriam Böttcher [1]

 

Herr Kunkel, Marc Reichwein stellt sie in der „Welt“ vom 24. 6. 2017 als Paria des Literaturbetriebs dar?

Das ist supernett von ihm, denn es hat dieser Website enorme Zugriffsraten beschert.

 

Wieso haben Sie überhaupt das Mandat übernommen die AfD zu beraten?

Die AfD ist eine Partei des demokratischen Spektrums, sie ist auch Marktteilnehmer und hat daher in unserer Gesellschaft das Recht nach adäquater Beratung zu fragen.

 

Und doch müssen Sie jetzt einstecken: Im SPIEGEL vom letzten Samstag („Heimkehr“, S. 38, 17. 6. 2016) wurde Ihnen ein lässiger Rassismus unterstellt. Sind Sie ein lässiger Rassist?

Viel schlimmer, ich bin ein lässiger Realist.

 

In demselben Artikel steht auch: Manchmal klingt Kunkel wie ein NPD-Mann auf Speed. Können oder wollen Sie das kommentieren?

Nein, aber die verantwortliche Journalistin ist in der Branche für ihre küchenpsychologischen Analysen gefürchtet. Jetzt weiß ich warum.

 

In der WELT wiederum werden Sie folgendermaßen zitiert: „Wäre die deutsche Gesellschaft eine Autobahn und der Migrant ein Wagentyp namens Ford Arab, Audi Islam oder Opel Afrocco – und wären immer nur diese Modelle in schwerste Karambolagen verwickelt, würden sie statistisch gesehen am häufigsten Unfälle verursachen, das Bundesverkehrsministerium hätte sie längst aus dem Verkehr gezogen und verschrottet.“ Das klingt für mich – ehrlich gesagt – schon so ähnlich wie ein NPD-Mann auf Speed.

Dann überschätzen Sie die sprachlichen Möglichkeiten des NPD-Manns aber gewaltig.

 

Sehen Sie wirklich keinen Zusammenhang zwischen beiden Artikeln?

Ja, sicher. Die linken Journalisten in Deutschland – und das sind die meisten der 70 000 festangestellten [2] – bilden heute eine informelle Aufseherkaste, die als eine große Propagandamaschine agiert.  Die eine „Abteilung“ setzt ein Gerücht in die Welt, auf die sich die andere dann sachlich – das heißt mit in Tüttelchen gesetzten Wörtern – bezieht. So werden glaubhaft Narrative gesponnen, die unerwünschten Personen Schaden zufügen. Aber wer austeilt, muss auch einstecken können, also bin ich niemandem gram.

 

Der SPIEGEL bezieht sich konkret auf ein bestimmtes Plakat. Die Headline „Neue Deutsche? Machen wir selber“ könnte man in der Tat rassistisch interpretieren.

Aber ja, denn der Faschismus beginnt in Deutschland heute schon mit der Führerscheinprüfung!

 

Mal im Ernst…

Also hören Sie, wer dieser Frau auf dem Plakat rassistische Motive unterstellt, weil sie lieber ein eigenes Kind will, statt ein Flüchtlingskind zu adoptieren, der sollte sich schnellstmöglich die Hauptplatine raus löten lassen. Der Kinderwunsch einer weißen Mitteleuropäerin ist die normalste Sache der Welt. Auch ohne ideologisch verordnete Beimischung von Pigmenten. Alle Eltern wollen sich in ihrem Kind wiedererkennen: Die Chinesen wollen chinesische Babies, die Afrikaner farbige Babies, nur bestimmte gehirngewaschenen Whities glauben, es wäre „rassistisch“, ein weißes Baby zu wollen. Dieser auto-aggressive Rassismus ist der neue, schlimmere Rassismus, der kürzlich mit Margot Käßmanns Gelalle vom kleinen Arier-Paragrafen einen neuen Tiefpunkt erreichte[3]. Unfassbar, dass die Medien dieser Schnapsdrossel noch immer einen Ast bieten.

 

 

Was ist mit dem Plakat, das drei Frauen in verschiedenen Trachten zeigt? Sie stehen unter dem Motto: Bunte Vielfalt? Haben wir schon. – Ist das nicht Stammtisch-Niveau, das Einwanderer ausgrenzen will?

Nein, Trachten haben überhaupt nichts mit Lokalpatriotismus zu tun, sondern mit Diversität, hybriden Identitäten und sie sind Ausdruck gelebter Vielfalt. Deutschland ist bunt genug, auch ohne neue Menschenimporte aus Nordafrika. Diese – nennen wir sie mal liebevoll – „Versorgungssuchenden“ wurden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Deutschland gelockt, wo sie kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, doch dafür die Manövriermasse abgeben, die aus Deutschland einen Vielvölkerstaat machen soll.

 

Heißt das jetzt, Deutschland soll die Flüchtlinge an der Grenze abweisen?

Das hat niemand gesagt. Wichtig ist, dass bei regulären Grenzkontrollen, – die es immer schon gab –, Kriegsflüchtlinge von Wirtschaftsflüchtlingen unterschieden werden. Und ja, ich bin gegen Armutseinwanderung. Haben wir in Deutschland nicht schon genug Menschen, die am Bettelstab gehen? Geht es den meisten Deutschen nicht schon dreckig genug? Drei von vier eingewanderten Syrern belasten heute das Sozialsystem durch Hartz IV-Bezüge, deshalb gab es 2016 bereits 133 Prozent mehr Sozialleistungsbezieher als im Jahr zuvor.

 

Diese Kosten entstehen auch aus Bildungsmassnahmen, das sollte Sie als Schriftsteller eigentlich freuen…

Natürlich. Das Dumme an der Sache ist nur, indem man Sozialtouristen aus Nordafrika die vier Grundrechnungsarten und ein paar Brocken Deutsch beibringt, macht man sie nicht für den Arbeitsmarkt fit, sondern für die Dauer-Alimentation. Auf diese Form von Zuwanderung kann jedes Land der Erde verzichten.

 

Warum sind dann so viele anderer Meinung als Sie? Auch viele Künstler und Intellektuelle reihen sich demonstrativ hinter den Kurs der Regierung in ein neues multikulturelles Deutschland.

Ich habe da meine eigene Theorie: Die tägliche moralische Ereiferung ersetzt den Möchtegern-Künstlern  und Stipendien-Strichern, den Konsumerismus ihrer besser gestellten Zeitgenossen. In dieser moralischen Hackordnung ziehen plötzlich Total-Versager mit Besserverdienenden gleich. Das ist auch die Ursache, warum so viele Künstler auf den Zug der politischen Korrektheit aufspringen.

 

Glauben Sie mit solchen Anwürfen machen Sie sich neue Freunde unter den Feuilletons? 

Meinen Sie wirklich, dass mich das interessiert? Von deutschen Schriftstellern wird erwartet, dass sie sich aus politischer Korrektheit verbiegen, damit werde ich auch in Zukunft nicht dienen können. Es widerspricht einfach meinem literarischen Selbstverständnis, einfach allem, was ich mit meiner Arbeit verbinde, denn mir geht es um eine möglichst klare Beschreibung der Wirklichkeit, die ich so und nicht anders erlebe. Diese Welt ist bekanntlich kein rotgrüner Ponyhof und meineTexte konterkarieren natürlich die Jubelberichte der selbst ernannten Volkspädagogen in den Medien. Der WELT-Reporter spricht an einer Stelle von der „kruden Körperlichkeit“ meiner Romane, was zwar nichts mit Arnolt Bronnen zu tun hat, aber im Kern der Aussage stimmt.

 

Sie nennen Ihren Sprachstil also selbst krude und körperlich?

Nein, aber ich lasse mich beim Schreiben oft auf naturwissenschaftliche Anschauungen ein, dass heißt meine Sprache sucht die Nähe zur Realität. Ich vergesse keine Sekunde, dass Höhe mal Breite mal Tiefe der Zeit unterworfen sind, es ist alles im Fluss, demnach organisch. Auch Menschen sind bei mir in erster Linie biologische Wesen. Wir haben einen Stoffwechsel, nicht wahr? Und unsere Körper, diese Wunschmaschinen des Animalischen, reden bekanntlich bei der Lebensplanung mit. Am besten kommen wir erst gar nicht auf Genetik zu sprechen… Im Grunde geht es mir im besten Sinne des Wortes um Aufklärung über uns selbst, doch genau das wird heute von den volksverdummenden Medien mit rechtem Gedankengut gleichgesetzt.

 

Schreiben Sie politische Romane? Liest man den WELT-Artikel könnte man denken Sie arbeiten nach Programm.

Ich bin ein politischer Mensch, aber kein politischer Autor. Es gibt bei mir keinen Versuch, Literatur einer wie auch immer gearteten Form von Propaganda zu erschließen. Die WELT spricht von „politisch-historischem Sendebewusstsein“ – ich würde eher sagen, – Leute, ich war schon immer so drauf. Man muss auf dieser Welt, der sein, der man ist, sonst ist man erledigt.

 

Ist es das wieder eine Ihrer finsteren Andeutungen? Im SPIEGEL stand – … Kunkel mag Provokationen und finstere Andeutungen.

All meine Figuren sind Anti-Helden oder Einzelgänger vor dem Hintergrund einer maroden Gesellschaft. Das ist schon finster, okay. Durch irgendein Ereignis geraten sie dann in eine noch größere Finsternis. Mal ist es ein Brief, mal der Titel dieser Schallplatte „Born to be alive“… In Subs, dem Roman, den Oskar Röhler gerade verfilmt hat, ist es eine Kleinanzeige im Grunewalder Lokalanzeiger, die zum Auslöser wird. Angesichts der Tatsache, dass dieses Land nun von minderbemittelten Analphabeten und Erwerbsunfähigen überschwemmt werden wird, dürften unsere PR-geilen Promis wohl superschnell ihre Paläste den Bedürftigen öffnen. Ich gehe mit Ihnen jede Wette ein, dass Subs schon bald irgendwo in Deutschland Wirklichkeit wird.

 

Wir schreiben das Jahr 2017. Was müsste in Zukunft geschehen, damit der europäische Kulturkreis die neue globale Völkerwanderung übersteht?

Da muss ich etwas ausholen: Im Grunde müsste es sehr, sehr bald eine zweite Aufklärung geben, die Erkenntnisse der Kybernetik und Genetik endlich effektiv kommuniziert. Die meisten jungen Leute sind heute ständig online, sie hängen ununterbrochen am Smart phone, sind quasi halber Wege zwischen säugetierhafter und kybernetischer Existenzweise. Ein schöner Nebeneffekt dieser längst überfälligen Form der Aufklärung wäre dann wohl das Ende der Religionen, sei es nun des Islams oder der rotgrünen Zivilreligion, die ich eine Art Ur-Christentum ohne Gott nennen würde.

 

Eines Ihrer Plakate verulkt den Islam. Man sieht drei Mädchen am Strand, darüber die Überschrift „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis.“ – Was glauben Sie dürfte dieses Plakat bei streng gläubigen Muslimen auslösen?

Ernüchterung.

 

Über was?

Die Islamisten glauben die hier lebenden Christen sind das Problem. Damit liegen sie völlig daneben. Die meisten hier sind Atheisten, man könnte sogar sagen, der Nihilismus ist heute Mainstream geworden. Wir haben alle zuviel vom Baum der Erkenntnis gefressen und sind selbst zu Schlangen geworden.  Tatsächlich war Religion in der westlichen Welt schon zu Bhagwans Zeiten – also in Achtziger Jahren – eine reine Frage des Lifestyles. Ich kenne da einen Schauspieler, der war mal Buddhist, dann Hindu, nun wieder Katholik – das alles in einem Jahrzehnt, was mit seinen Affären zusammenhing und den eigentlichen Kern jeder Religion offenbart: Liebe. Dabei ist es aus meiner Sicht gleich ob sich zwei Seelen oder zwei biologische Automaten ineinander verlieben.

 

Ein Künstler, der Sie als Student massgeblich beeinflusst haben soll, war Andy Warhol. Der sagte einmal: I want to be a machine. – Gilt das auch oder erst recht für Thor Kunkel?

Jetzt haben Sie mich, oweia. Sagen wir mal: Sollte es jemals eine medizinische Vollkörper-Prothese geben, die in der Lage wäre, mein Gehirn zu erhalten und über ein paar hundert Jahre zu retten, – ich wäre wohl der zweite, der einchecken würde …

 

Wer wäre denn der erste?

Donald Trump. –  Na schön. Dann vielleicht Robert Geiss? –  Ich kann jedenfalls nicht glauben, ich wäre der einzige, der auf so ein Extraleben abfahren würde. Auch die deutsche Elite der Vierziger Jahre träumte bereits von einer Überwindung des Menschen, – viele vergessen, dass das der heimliche Dreh- und Angelpunkt des geistigen Lebens im III. Reich war.

 

Ist die Wissenschaft dann aus ihrer Sicht rechts?

Da stets mehr Wissenschaftler der Political Correctness zum Opfer fallen, würde ich sagen, dass sie zumindest unter Generalverdacht steht. Insofern …

 

Haben Sie ein konkretes Beispiel ?

Einer der Entdecker der Doppelhelix wurde vor ein paar Jahren geschasst. Ein Satz und schon hatten ihn die Moralliberalen als „Rassisten“ gebrandmarkt. Dabei hatte der Mann nur empirische  Ergebnisse interpretiert.

 

Sie meinen James Watson. Soweit ich weiß, äußerte er sich über den angeblichen Intelligenzunterschied zwischen Afrikanern und Europäern.

Was heißt hier angeblich? Wenn die Tests so ausgefallen sind, ist das nicht Watsons Problem. Andererseits, einer wie Heiko Maas würde selbst die nüchternsten Zahlen als Hass-Propaganda bezeichnen.

 

Sie haben letztes Jahr Akif Pirincci verteidigt, versuchen Sie jetzt Watsons rassistische Entgleisung zu relativieren?

Ich verteidige hier nur die Sprache, die uns befähigt hat, zu einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung zu finden. Schon Melanchton, ein Philosoph, bezeichnete Sprache als „Grundlage allen Denkens“. Um gut zu schreiben, muss man sich auf die Anschauung von Wirklichkeit einlassen und dieselbe mit einer möglichst präzisen Sprache zur Veranschaulichung bringen. Das gilt eben auch für Naturwissenschaftler. Es ist mehr als fraglich, ob ein in Neukölln – im Dunstkreis von Kanak-Sprak – aufgewachsener Einstein, jemals in der Lage wäre die Relativitätstheorie in Worte zu fassen. Leider wurde unsere Sprache – und ihre Begriffssicherheit – nach Ende des II. Weltkriegs auch von anderer Seite zersetzt. Die Fachsprachen in allen zukunftsweisenden Disziplinen sind heute  in Englisch.

 

Dann ist das, was wir für Wirklichkeit halten, also nur ein Konstrukt, dass aus Sprache entsteht?

Was denn sonst? Nehmen Sie nur mal die  Ereignisse und Prozesse, die die Lebenswelt der Deutschen momentan irreversibel verschlechtern. Diese Vorgänge werden in erbauliche Begriffe gepresst: „Willkommenskultur“, „buntes Deutschland“, „erfolgreiche Reformschritte“ und so weiter. Kritische Stimmen werden dagegen mit Wörtern wie „Dunkeldeutschland“, „Hate speeches“ und „Kampf den Intoleranten“ stigmatisiert. Die Linken veranstalten dieses Begriffstheater erfolgreich seit den Sechziger Jahren und haben so die Deutungshoheit über viele gesellschaftlich relevanten Themen erlangt.

 

Sprechen wir noch einmal von Ihrer Literatur. In der WELT werden Sie folgendermaßen zitiert: „Im Grunde wurde mir damals – nach dem Skandal –Berufsverbot erteilt.“ Wie kamen Sie überhaupt in den Literaturbetrieb?

Silvia Bovenschen lud mich 1999 nach Klagenfurt ein, um vor dem Literaturgerichtshof zu lesen … Ich schnitt nicht allzu schlecht ab, wurde danach durch die Institute gereicht und hielt das affektierte Getue eine Zeitlang tatsächlich für meinen Beruf. Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit einer Agentin – einer Feudal-Linken von der Toskana-Fraktion. Ich machte auf lammfromm, aber dachte doch insgeheim: Bitch, wenn du nur wüsstest… Der deutsche Literaturbetrieb ist ja in Wirklichkeit ein Gesinnungsbetrieb, das hatte ich damals schon raus.

 

Heißt das, Sie spielten von Anfang an mit dem Betrieb ein doppeltes Spiel?

Notgedrungen, aber ich wurde ja auch schnell von einer Rowohlt-Lektorin enttarnt. Endstufe war Endstation, danach habe ich zwar weitergeschrieben, doch aus dem Beruf war wieder ein Hobby geworden. Meine Bücher kamen gar nicht mehr in den Handel.

 

Haben Sie nach dem Skandal noch einmal mit der Lektorin gesprochen?

Nein. Es ist doch nur logisch, dass diese Gutmenschin einen Roman über das bestialische Grundmuster des Lebens als persönliche Beleidigung auffassen musste. Meine Weigerung Endstufe zu verpfuschen, hat wohl auch dem Credo der Gruppe 47, welche „echte Künstlerschaft“  als „identisch mit der Gegnerschaft zum Nationalsozialismus“ postuliert, widersprochen.

 

Stellen Sie damit nicht erneut den Sinn und Zweck unserer deutschen Erinnerungskultur in Frage?

Erinnern Sie sich an was Sie wollen, ich stelle hier nur den Gemütszustand eines total gedemütigten Volkes in Frage, das vor der Wirklichkeit kapituliert. Kein Deutscher ist verpflichtet, sein Leben auf Knien zu leben. Schon gar nicht darf er den Medien glauben, er sei seines Hausrechts im eigenen Land  verlustig gegangen. Merken die Deutschen eigentlich nicht wie erniedrigend, wie würdelos man sie in den Medien behandelt? Mommet und Abdul haben das längst gecheckt und fragen sich: Sind die Deutschen wirklich nur blauäugige Deppen oder sind sie Feiglinge? Denn Leben heißt nun mal kämpfen und es bedingt eben auch die Verdrängung von anderem Leben! Dementsprechend gehen die  vitalen und selbstbewussten Zuwanderer jetzt gegen die Einheimischen mit ihren moralischen Handicaps vor.

 

Um was sollen die Deutschen denn kämpfen? Eine Leitkultur, wie sie auch von Politikern der CDU/CSU gefordert wird?

Um ihre Heimat natürlich – von mir aus können Sie auch unser kollektives Eigentum sagen. Dieses Land also, das gerade wie billiges Freibier ausgeschenkt wird, wurde von deutschen Familien über Generationen hinweg geschaffen und kultiviert. Es ist das  Werk einer großen Nation und kein Experimentierfeld für Neu-Sozialisten, Bilderberger und verhaltensauffällige Macho-Kuffnucken. Nehmen Sie nur einmal die Silvesternacht 2015. Die Täter sagten sich offenbar, ­– ich zitiere hier eine syrische Frauenrechtlerin[4] – „wir sind in ein Land gekommen, das uns aufnimmt, aber wir müssen seine Regeln nicht achten“. Vor allem aber sagten sich diese Herrenmenschen von Allahs Gnaden, wir sind in ein Land gekommen, in dem es keine richtigen Männer gibt und in dem vorlaute Weibchen die Hosen anhaben. Und die ziehen wir ihnen jetzt aus… Und ja, ich möchte tatsächlich behaupten, das Gros der Wohlstandssucher, die Deutschland gerade überfluten, sind einfach nur hier um zu nehmen – Land, Geld, Frauen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, aber zu den liebsten Sujets der iphone-affinen, „neuen Deutschen“ zählen eben  – nebst der ersten Begrüßungskohle,[5] – Fotos der ersten Eroberung, was wohl noch mehr muslimische Klemm-Sexualisten anlocken wird.

 

Heißt das, Sie sind generell gegen jede Form von Einwanderung?

Nein, an kontrollierter Einwanderung – so wie vor dem 4. September 2015 – ist nichts auszusetzen. Einwanderung wird erst dann zum Problem, wenn der Eindruck entsteht, dieses Land gehöre niemandem, es gäbe hier kein richtiges Volk und die Steuergelder müssten „aus historischen Gründen“ an alle Bedürftigen der Welt mit dem großen Löffel ausgeteilt werden. Das alles resultiert übrigens aus dem zweifelhaften Nimbus der Deutschen als „Besiegte von 1945“. Man beutet die Deutschen seitdem vor den Augen der Weltöffentlichkeit ungeniert aus. Das ist nun auch bis nach Nordafrika vorgedrungen.

 

Sie können es nicht mehr hören, aber der WELT-Artikel erwähnt auch Ihren Skandalroman  Endstufe. Sie werden dort mit den Worten zitiert: „Wer die deutsche Geschichte verstanden hat, der darf so schreiben wie ich. Ich habe andere Schreibvoraussetzungen als Günter Grass, ich schenke mir die obligatorischen Sprachhülsen, das Schreiben von Ablasszetteln.“ Wie haben Sie denn die deutsche Geschichte verstanden?

Als übles Machwerk – das wußte ich schon als Abiturient. Wie immer es war, so wie es in den Geschichtsbüchern steht, konnte es  nicht gewesen sein. Beim Schreiben an Endstufe ging ich daher von einem hohen, fiktiven Gehalt der offiziellen Schulbuch-Geschichte aus. Die Sachsenwald-Filme erschienen mir wie ein Indiz für meinen Verdacht, dass man den Deutschen bestimmte Fakten verheimlicht. Männer in SS-Uniform, die mit Pornos handeln und Opium rauchen, passen nicht wirklich zum Stereotyp. Mit Vergangenheit sollte man sich übrigens nur beschäftigen um sich entweder von ihr zu befreien oder um sich neuen Zielen zu widmen. Keine dieser Vorraussetzungen waren damals bei mir gegeben, ich habe mich einfach von dem Stoff hinreisen lassen. Und ich stehe dazu.

 

Sie haben die offizielle deutsche Geschichtsschreibung gerade fiktiv genannt? Damit rühren Sie an ein vermintes Gebiet.

Und wenn? Wer würde ernsthaft bestreiten, dass auch Geschichtsbücher menschengemachte Narrative sind? An der deutschen Geschichte ist das bestens zu sehen: Nach ’45 machten sich die Besatzer daran „die Geschichte aus Sicht der Sieger in die Gehirne der Verlierer einzupflanzen[6]“.  Die Deutschen begannen ihre Niederlage durch die Augen der Sieger zu sehen – und lernten sich folgerichtig selbst zu verachten. Endstufe hat diese falschen Realien verbrannt und eben nicht als gesichert geltende Fakten im Unterhaltungsformat nachgebetet.

 

Damit meinen Sie wahrscheinlich Jonathan Littell. Die WELT schreibt: „Aus Kunkel, das ist die Tragik seiner literarischen Karriere, hätte ein deutscher Jonathan Littell werden können.“

Wissen Sie, ich sehe das völlig anders: Littell hätte vielleicht das Zeug dazu ein amerikanischer Thor Kunkel zu werden. Vielleicht. Leider ist sein etwas ausgeuferter Roman wenig mehr als eine homoerotische Pulp-Kolportage von Eugen Kogons Der SS-Staat, – ein Sachbuch, das der wackere WELT-Rezensent wahrscheinlich nicht kennt. Mir fehlte bei Littell am Ende einfach irgendeine Art von Erkenntnisgewinn. Brav erzählt, dachte ich noch.

 

Was haben Sie mit Endstufe besser gemacht?

Einiges – ich habe zum Beispiel den rückwärts gewandten Blick in einem Roman über das III. Reich annulliert.  Es ist auch meine persönliche Meinung, dass einer, der stets nach hinten schielt, um ja keinen Fehler zu machen, die Chancen und Herausforderungen der Zukunft übersehen muss. Bestimmte Lobbies wollen natürlich verhindern, dass Deutschland je wieder zu einer kulturellen Prägemacht wird, und deshalb wurde Endstufe von den Medien brutalst möglich diffamiert. Der rückwärts gewandte Blick der Deutschen ist quasi die Voraussetzung, dass es so weiter geht wie bisher: Jeden Tag ein bisschen schwächer.  Nehmen wir noch einmal die Einwanderungskrise: Die Mehrzahl der Deutschen hält sich offenbar tatsächlich für historisch verpflichtet Merkels Tour de force mitzumachen und ihr Land, – das einzige, das sie haben –, ohne Widerstand preiszugeben. Wie töricht – denn spätestens mit dem im September anstehenden Familiennachzug  wird unser Sozialsystem kollabieren. Wer ständig aus Furcht nach hinten guckt, kann das freilich  nicht sehen.

 

Die WELT wünscht sich von Ihnen  wieder mehr „provokante Literatur“ statt „Slogans für schnelle Propaganda“. Wird es eine zweite Endstufe geben?

Ja, trotz aller Amputationen, ich bin es selbst, der bestimmt, was geschrieben steht und was nicht.  Auch in Zukunft.  Doch eins nach dem andern. Der Verlag Mathes & Seitz, der mir bereits in schweren Zeiten zur Seite stand, wird in absehbarer Zeit eine unzensierte, digitale Ausgabe von Endstufe bringen. Zum ersten Mal sollen also auch die so genannten „verworfenen Passagen“ publiziert werden. Man könnte das Ganze vielleicht im Unterschied zur Hardcover-Ausgabe den Director’s Cut von Endstufe nennen, das heißt, hier hatte ich beim Schreiben richtig viel Spass und das merkt man in jeder Zeile. Andererseits beende ich gerade einen neuen Roman, ein Seestück in der Tradition von Jules Verne. Das Thema knüpft an Kafkas Verwandlung an. Mehr verraten möchte ich momentan nicht.

Herr Kunkel, vielen Dank für das Gespräch.

Erster Cover-Entwurf: Endstufe Reloaded – Die unzensierte Ebook-Ausgabe

Der Verlag Mathes & Seitz Berlin freut sich über Signale von Lesern, die Interesse an Endstufe Reloaded zeigen. Mailen Sie an einfach an info[at]matthes-seitz-berlin.de.

 

©2017 Recherche und Transkription by Miriam Böttcher, 26.6.2017

[1] Miriam Böttcher studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Paris und unterstützt die Frauenrechtsorganisation FEMEN.

[2] Meldung des Deutschen Fachjournalisten Verband, nach einer Statistik der Bundagentur für Arbeit (2012)

[3] „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: Da weiß man doch, woher der braune Wind wirklich weht.“ – Margot Käßmann, in einer Rede aus dem Evangelischen Kirchentag, 25.5.2017

[4] Hiwy Ahmed, N-tv, 29.11.2016

[5] Der bayrische CSU-Landrat Martin Bayerstorfer äußerte eine derartige Beobachtung am 12.11.2015 in der Maybritt Illner-Sendung.

[6] Walter Lippmann: „Erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger Eingang in die Geschichtsbücher und Lehrpläne gefunden hat und von den nachfolgenden Generationen geglaubt wird, kann die Umerziehung als gelungen angesehen werden.“