30 Fakten über Thor Kunkel

  1. Kunkel formulierte 1999 in Klagenfurt sein Programm: „Ich werde 11 Romane schreiben und dann Schluss machen.“ Wie er das meinte, ließ er offen. Bisher wurden 6 Romane publiziert. Angeblich hat der Autor noch zwei weitere unveröffentlichte Manuskripte in der Schublade. (Interessierte Verleger beziehen sich bitte zur Dialogaufnahme auf die hinterlegten Kontaktdaten.)
  2. Die Familie des Autors hat polnische, französische und britische Wurzeln. Seine Urgroßmutter väterlicherseits war das uneheliche Kind eines englischen Lords.
  3. Sein Vorname ist Thorleik, skandinavisch für „Nachfahre Thors“. Kunkel legte bewusst die zweite Silbe des Namens ab, als er beschloss sich seiner Begabung zu stellen. Zitat: „Ich bin das Feuer, nicht ein Funken der Schöpfung.“
  4. Kunkel stammt aus einer alten Künstler-Familie. Sein Großvater Richard war ab 1934 Dirigent des Herchenröder Quartetts, sein Urgroßvater Albert Verchau leitete seit 1922 gemeinsam mit Professor Franz Karl Delavilla die Lithographenklasse der Frankfurter Städel-Schule. Kunkels Vater war der neo-expressionistische Maler Udo A. F. Kunkel, der 1998 nach langer Krankheit verstarb.           Abbg.: Udo A. F. Kunkel „Der Todesengel vor dem Thron König Salomons“, 1963, Gouasche auf Karton, 42 x 59 cm
  5. Kunkel trank als Kind aus einer Flasche mit 98%igem Brennspiritus. Obwohl ihm der Magen ausgepumpt wurde, litt er bis Mitte der Achtziger Jahre an Ageusie (Ausfall der Geschmackswahrnehmung), die ihn zeitweise befähigte Wasabi wie Nutella zu essen.
  6. Kunkel lebt auf kleinem Fuß, Schuhgröße 41 1/2.
  7. Kunkel zählt wie Michel Friedman zu den „prominenten“ Schülern des Frankfurter Goethe-Gymnasiums. (siehe Wikipedia) Dort spielte er gemeinsam mit Mike Vamp und Elisabeth Engel in der Punk-Band The Screen.
  8. Kunkel jobbte in frühen Jahren als Kürschner-Gehilfe, Auto-Lackierer, Postkarten-Designer und Dekorateur eines Rank-Xerox-Shops.
  9. Nach eigenen Angaben lebte Kunkel in seiner Studentenzeit hauptsächlich von „Eiswaffeln, Wodka-Milch-Shakes und Fischstäbchen“.
  10. Als Jugendlicher hörte er Chic, Kraftwerk, Stooges und Lou Reed. Diese Vorlieben belasteten zunehmend das angespannte Verhältnis zu seinen Hippie-Eltern (Beatles-Fans).
  11. Er trug mit Vorliebe schwarze Regenmäntel, Plastik-Jacken von Kruger und exzentrische Polaroid-Spiegelglas-Brillen.
  12. Der Einfluss von Stanley Kubricks Uhrwerk Orange kann auf die Entwicklung des jungen Thor Kunkel nicht hoch genug eingeschätzt werden: „Der Film stellt den Zuschauer vor die Entscheidung: Willst du Täter sein oder Opfer? Mir fiel die Entscheidung sonderbar leicht.“ (Kunkel, 1999, in einem Beitrag des Hessischen Rundfunks)Abbg.: Ein selbstgebasteltes Display „Korova Milk Bar“ aus Kunkels alter Küche im Gallus-Viertel(ca. 1982).
  13. Kunkel studierte u. a. am Frankfurter Städel bei Thomas Bayrle. Eine Bewerbung bei Andy Warhol’s Factory in New York blieb leider unbeantwortet. Erst die Beschäftigung mit „Müll-Kunst“ von Cargo-Kult-Künstlern aus Neu-Guinea und Graffiti führte bei Kunkel zu einer eigenen Bildsprache, die er unter dem Titel Typografia Cargonautica 1984 im Selbstverlag publizierte und als Abschlussarbeit an der Akademie einreichte. Den Untertitel „Materialbefragungen“ erklärte Kunkel damit, er habe „ästhetische Spurensicherung in den Schichthorizonten einer Müllhalde“ betrieben und nicht schlecht über die „Antwort der Dinge“ gestaunt. Kunkel ist Ehren-Mitglied eines Cargo-Kults aus PNG, dessen Motto in etwa lautet: „Der Kühlschrank wird den Fernseher besiegen.“                                                             Abbg.: Cover „Typografia Cargonautica – Die Sprache der Cargonauten“, 1984, Selbstverlag, 96 Seiten.                                                                                                                                                              Nebenbei beschäftigte er sich immer wieder mit „absurden Medien“ (Butter- und Holzschnitzerei, Natur-Selbstabdrücke, Stricken etc.), die den damals herrschenden Hype um „wilde Malerei“ konterkarierten. Eine zweite Abschlussarbeit an der Staatlichen Akademie („Hans und Grete, wurzeltot“ (1984) erregte im Kollegium Missfallen. Mehrere Professoren des Städels forderten Kunkels Verweis. Abbg.: Thor Kunkel, „Hans und Grete, wurzeltot“, (1984)
  14. Kunkel begann seine berufliche Laufbahn als Art Director in der Werbe-Agentur Young & Rubicam in Frankfurt am Main. Sein erster Kunde war der Prothesenreiniger Kukident. Die Auseinandersetzung mit den „Dritten“ überschattete Kunkels frühe Jahre in der Werbung.
  15. In den späten Achtziger Jahren arbeitete Kunkel als kreativer Kopf für die Londoner Werbeagentur GGK, wo er für den spanischen Jeans-Hersteller Lois Jeans eine spektakuläre Poster-Kampagne entwarf. Schon damals spielte Kunkel mit Methoden, die sich heute Guerilla-Marketing nennen.Abbg.: Kunkels erste Kampagne für die Londoner GGK (1988). Die Plakate erregten die Aufmerksamkeit der Fachpresse und wurden sogar als Postkarten vertrieben.
  16. Während seiner Londoner Jahre besuchte Kunkel mindestens einmal den Airbrush-Künstler Philipp Castle, der das Plakat von Kubricks Clockwork Orange entwarf.
  17. Schon in London sammelte Kunkel Naturartefakte. Er besitzt eine Schmetterling- und Mineralien-Sammlung, einen Longhorn-Schädel aus Neu-Mexiko, eine 3 Meter lange Python-Haut aus Brasilien und ein Hai-Gebiss, das er 1989 von den Malediven mitbrachte. Zitat: „Für Dermoplastiken – wie präparierte Tiere genannt werden – fehlte mir immer der Raum.“
  18.  Kunkel ist ein Freund von Damian Hirst. Er kaufte 1988 Hirsts von Rasen durchwachsene Bibel The Living word ( 18,5 x 9,2 cm) für 250 £. Zitat, die er seitdem gewissenhaft wässert und mit „Captain Greens Wunderrasen-Samen“ am Leben erhält. Zitat: „Damians Kunst ist ein einziger großer Gesang der Erkenntnis, der eine Menschheit ankündigt, die das Opium der Religion nicht mehr braucht.“
  19. Kunkel heiratete 1990 seine Frau im Rathaus von Amsterdam. Die überschaubare Hochzeitsgesellschaftdinierte im Restaurant Pier 10 am Hafen. Die beiden sind noch immer ein glückliches Paar und so frisch verliebt wie am ersten Tag.
  20. Kunkels Debüt Das Schwarzlicht-Terrarium ist Bestandteil einer Trilogie von mehr als 1300 Seiten, die den Namen Ultralow trägt. Die Teile der Trilogie heißen 1. Das Schwarzlicht-Terrarium, 2. Disco, Dachau, Doppeldotter, 3. Kuhls Kosmos. Kunkel kassierte mehr als 20 Absagen für sein Mammut-Werk, bis sich Rowohlt entschied den ersten Teil zu veröffentlichen. Obwohl dieses Wagnis 1999 in Klagenfurt 1999 belohnt wurde, blieb der Verlag auf Distanz. Vor allem der zweite Teil Disco, Dachau, Doppeldotter, der die absurden Umstände eines Auftritts der Superjocks im Dachauer Hörhammerbräu schildert, wurde von Rowohlts Chef-Lektor als „höchst problematisch“ eingeschätzt. Nach dem Skandal um Endstufe sah der Verlag von weiteren Veröffentlichungen ab.
  21. Kunkel lehnte 1997 das Angebot von Martin Hielscher (Kiepenheuer & Witsch) ab, eine poetische Doku-Fiction über den Tod von Prinzessin Diana zu schreiben.
  22. Die von Kunkel in Endstufe thematisierten „Sachsenwald-Filme“ waren nachweislich seit den 50er Jahren bekannt. Sie inspirierten die italienische und US-amerikanische Nazi-Exploitation-Film-Industrie. Die Originale Der Fallensteller und Frühlings Erwachen zählen zur Sammlung des renommierten Kurators Werner Nekes : „Kunkel hat recherchiert, dass im Umkreis der Macht solche Filme gelaufen sind. Kurioserweise hat sich die Gruppe, die sich mit den Filmen vergnügt haben soll, die »Wochenscheuen« genannt. Ein schönes Wortspiel für diese Herrenabende.[1]Abb.: Ein Objet trouvé mit weitreichenden Folgen. Dieser Ausschnitt aus der November-Ausgabe des Playboy, 1980 brachte Kunkel auf die Spur der Sachsenwald-Filme. Der Verfasser des Artikels war der  SZ-Filmkritiker Günter Pflaum. 
  23. Die „verworfenen Passagen“ aus Endstufe, die der SPIEGEL zitierte, existieren wirklich. Dabei handelt es sich um insgesamt 42 Seiten. Die erste Passage beginnt auf S. 439 und beschreibt einen Bordell-Besuch im Mai ’45 kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee: Holsten und Lotte wohnen dabei der Weltpremiere einer Burleske namens Jud Wüst bei, einem Vorgeschmack auf die kommende, westliche „Koituskultur“. Bei der zweiten Passage (S.  482)handelt es sich um einen so genannten Pfister-Brief, in dem der gleichnamige Gynäkologe seine Tätigkeit im Rheinwiesen-Lager als Assistent eines gewissen Ignatz Salomon Burkhard – Fluchname »Butzemann« – schildert. Der Eichborn-Lektor empfand beide Passagen als „missverständlich im anti-semitischen Sinn“. Der Berliner Verlag Mathes & Seitz plant eine unzensierte digitale Ausgabe des wohl radikalsten Werkes der jüngeren deutschen Literatur. SCHREIBEN SIE DEM VERLAG.
  24. Die „Vorwürfe“ gegen Kunkel stützten sich auf einen so genannten Werkstatt-Bericht, der dem SPIEGEL von Alexander Fest – zumindest auszugsweise – zugespielt wurde. Das mit Bildmaterial angereicherte Manuskript wurde inzwischen noch durch ein Medientagebuch (ca. 400 Seiten) komplimentiert und sucht einen Verlag.
  25. Der Berliner Verleger Erich Maas machte den Regisseur Oskar Roehler schon 2001 auf Kunkels außergewöhnliches Talent aufmerksam. Die beiden lernten sich allerdings erst Jahre später im Berliner Restaurant 12 Apostel in Charlottenburg kennen.
  26. Zu Kunkels langjährigen Berliner Freunden gehört auch „Imperator“ 😉 Georg Georgi, Autor, Talent Scout, Impressario und Schauspieleragent. Beide planen einen Film, der in Sibirien spielt und extremes Casting erfordert.Abb.: „Auf dieser Welt musst du sein, wer du bist, sonst hast du hier nichts mehr zu suchen.“ Georg Georgi und Thor Kunkel nach einer Besprechung in Berlin, 2016
  27. Thor Kunkel hat nachweislich einen urbanen Mythos erschaffen: Das Borghild-Projekt. Die Puppe wird erstmals in Kunkels Roman Endstufe auf S. 113 (Kapitel Der klinische Untergrund)  erwähnt. Kunkel bekennt dazu freimütig: „Nachdem mir die Presse nachweisen wollte, ich hätte die real existierenden Sachsenwald-Filme erfunden, dachte ich an Revanche: Unter dem Namen Norbert Lenz schrieb ich also einen komplett absurden Netz-Artikel, der von den Nazi-geilen Medien sofort aufgriffen und in die Welt hinausposaunt wurde.“ Borghild ist heute ein etablierter Internet-Mythos, der viele Künstler und Filmemacher inspirierte (siehe dazu Anthony Fergusons Standard-Werk The Sex Doll [2], Mussolini’s Barber von Graeme Donald oder SS-XXX: Die Frau Helga von Janez Jansa).
  28. Wenn Kunkel schreibt, trinkt er ausschließlich Tee, vor allem Singtom First Flush, aus einem der ältesten und südlichsten Teegärten Darjeelings, den er von einem Laden am Platz der Luftbrücke (Tempelhof) in 1-Kilo-Säcken bezieht. In Ascona nimmt er regelmäßig an Tee-Zeremonien auf dem Monte Verità teil.
  29. Neben seiner Arbeit als Kommunikationsberater, arbeitet Kunkel mit seiner Frau an einem Kinderbuch, in dem es um die Unterwasser-Abenteuer einer Wassernixe geht.
  30. Christian Alvart, Regisseur von Anti-Körper, Pandorum, Halbe Brüder und Banklady  zählt seit Jahren zu Kunkels künstlerischen Kollaborateuren. Beide wuchsen im Dunstkreis von G.I.s, Disco-Freaks, Punks und Drogenabhängigen im Frankfurter Nachtleben auf. Für 2018 ist eine Zusammenarbeit im Rahmen einer neuen Netflix-Serie nach dem Roman Das Schwarzlicht-Terrarium geplant.

[1] April 2004, K.West-Magazin

[2] McFarland & Company, 2010, Seite 24 – 27