Endstufe

Endstufe. Thor Kunkels 3. Roman.

Thor Kunkel : ENDSTUFE, Eichborn, 2004, 587 Seiten. ISBN 3-8218-0753-9, € 24,90

Klappentext (Auszug)

 „Humanismus funktioniert nicht weil der Mensch nicht human ist“, ist die Devise von Karl Fußmann, dem es zu Beginn des II. Weltkriegs gelingt, am SS-Hygieneinstitut Berlin eine Anstellung zu finden. Der ehrgeizige Forscher wird unvermutet in zwielichtige Geschäfte mit Pornofilmen verwickelt und verfällt einer Femme Fatale. Auf der Folie einer obsessiven Beziehung schildert Thor Kunkel in seinem nachtschwarzen Roman eine Welt ohne Katharsis.

 

 

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Endstufe ist ein literarischer Tigersprung ins Vergangene … Für Kunkel ist das III. Reich eine mit Jetztzeit geladene Vergangenheit, die er mit seinem Schreiben aus dem Kontinuum der Geschichte heraussprengt und auf eine zukünftige Gesellschaftsform des 21. Jahrhunderts projiziert.

In seiner Entlarvungsprosa der Elite des Dritten Reiches schildert Kunkel wie sich eine aus Schwäche in die Brutalität verliebte Gesellschaft dem Faschismus und seinen Weltverbesserungsphantasien ergibt.

Jeder Beobachter der Gegenwart erkennt das Personal von damals in den aktuellen Ausprägungen wieder – Menschen, bei denen Äußeres und Inneres nicht übereinstimmen, geformt von den Ansprüchen der Gesellschaft. Es gibt im Roman Schwindler aller Spielarten, liebenswürdige wie Karl Fußmann, zynische wie Ferrie Gessner, ein Dandy, dessen Glaube an die NSDAP ein Kostüm und dessen Rede nur parfümierte Leere ist.

Und es gibt haltlose Aufschneider ohne Verantwortung gegenüber dem Leben und Machtmenschen am SS-Institut, deren Brutalität erst offenbar wird, wenn sie die Maske fallen lassen.

Und weil jeder Widerspruch von Schein und Sein eine komische Seite hat, gibt es viel zu lachen.

Komik und Elend überall, elende Komik und komisches Elend.

Kontrastiv zu dieser Sphäre aus Lebenslüge und Lebensvergiftung treten die seltenen Ehrlichkeiten auf, wie Fußmanns Bekenntnis zum Sexus als Lebenssinn. Kontrastmittel sind auch die Freien und Ausgestoßenen – der fahnenflüchtige Kameramann Holsten und die Kurtisane Lotte, die das System konsequent zum eigenen Vorteil nutzt.

In den emblematischen ‚Enklaven‘ von Endstufe werden historische Räume kontingent, lösen sich schließlich auf, genauso wie das Realitäts- und Identitätsprinzip, denn die Protagonisten schlüpfen immer wieder in neue Rollen, die ihnen der Überlebenskampf aufzwingt.

Das alles geschieht mit grosser Anschaulichkeit und zugleich diagnostischer Kraft.

Kunkels Metaphorik mag nicht jedem stimmig erscheinen, doch ist sie ein sprachlich legitimes Verfahren das in jedem Satz die vitalen Unstimmigkeiten des III. Reiches aufzeigt.

– ALEXANDER v. BORMANN, Literaturwissenschaftler

 

 Pressestimmen und Meinungen

» Den Titel „Meistdiskutiertes Buch“ hat dieses Jahr Thor Kunkel gewonnen. In seinem spektakulären Trash-Roman versorgt das SS-Hygieneinstitut deutsche Soldaten mit Pornostreifen. Auch beim Feind sind die Filme begehrt, denn – und hier entstand der wohl absurde Verdacht, Kunkel sei eine“brauner Gesell“ – die blonde Frau ist in der Welt der Sexualität das Maß aller Dinge. Es ist ein Roman über die Totalität der Lust und den Zerfall der rein auf Triebbefriedigung ausgerichteten Nazis. Ein Sittenbild, ein Abenteuer, eine Liebes-geschichte und manchmal einfach nur ein Riesenspass.«

 -FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, „Handverlesene Literatur-Weihnachtstips“, 10.12.04.

 

»Ein Roman der Dekadenz, der Wollust und der chemischen Weltverbesserungsfreuden, ein Roman von oft tarantinoartiger Grausamkeit, von Körperfreude, Körperekel und Witz am Rande des Weltuntergangs…“

Jedenfalls liegt hier ein glänzend geschriebenes, ungeheuer interessantes Manuskript von einem der besten deutschen Autoren der jüngeren Generation vor.«

 – FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG, 1.2.2004.

 

»Ein brisanter, hochinteressanter literarischer Text… Kunkels Projekt ist die Kritik von Wissenschaft, wenn sie zur inhumanen Ideologie wird. Ein höchst aktuelles Thema.«

 – DER TAGESSPIEGEL, 7.3.2004

 

»In Thor Kunkels Roman“Endstufe“ erscheint das Dritte Reich schon auf den ersten Seiten als Geschmacksfrage, als Lifestyle-Phänomen, als große Sause für die happy few, denen die Frage der passenden Schuhcreme für „Reitstiefel aus chromgegerbtem Rindsleder“ wichtiger ist als der ferne Schlachtenlärm an der Peripherie (…).

Das Pornographische ist nur sichtbarster Ausdruck der Lebensphilosophie einer dekadenten Klasse (der Nazi-Elite), die im Vögeln statt im Krieg ihr Heil erblickt, deren einziges Nachschubproblem den Kokainvorrat betrifft, während sie in der „Lumpihütte“ am Obersalzberg eine orgiastische „Zickenverlade“ steigen lässt. (…)

Kunkel glaubt sich dadurch absichern zu können, daß seine Hauptfiguren gar keine überzeugten Nazis, sondern einfach gewissenlose Profiteure und Wendehälse sind. Doch gerade dadurch macht er deren Weltbilder salonfähig. (…) Darin erscheint der Nazi-Deutschland nur als Wirtskörper für den amerikanischen Fun-Totalitarismus. (…)

So fügt sich der Roman zu einem Großreinemachen der Weltgeschichte, mit dem die Untaten des III. Reiches zu einem dilettantischen Vorspiel unseres biologischen Zeitalters unter amerikanischer Flagge heruntergespielt werden.“

 – FAZ, 3.4. 2004

 

 

»Ein dekadentes Meisterwerk der deutschen Sprache.«

– FERIDUN ZAIMOGLU, Autor, („German Amok, „Leila“)

 

»Ein großer Gewinn, sage ich als Leser, daß Eichborn diesen Glücksfall von Roman gebracht hat. Endstufe ist einer der herbsten, intensivsten, juckendsten, kapitalsten, liebevollsten, martialischsten, nazikritischsten, originellsten, packendsten Romane der letzten Jahre.«

– TITEL-MAGAZIN, 13.04. 2006

 

»In den besten Abschnitten erinnert das an Thomas Pynchons Roman „Gravity’s Rainbow“ … Wenn der Roman erscheint, dürfte er einen erstklassigen Debattenstoff abgeben. Und das ist nicht das Schlechteste, was einem literarischen Werk passieren kann.«

– SONNTAGSZEITUNG, 13.2.2004

 

»What Kunkel has done, often brilliantly is to put the fictional icing on a rich factual cake.«

– FINANCIAL TIMES, 14.2. 2004

 

» He is one of Germany’s hottest young novelists.«

– THE GUARDIAN, 12.2. 2004

 

»Ähnlich wie sein französischer Kollege (Michel Houellebecq) reanimiert Kunkel die antiwestlichen, antizivilisatorischen und antimaterialistischen Ideologeme der Zwischenkriegszeit.«

– FREITAG 17, 16.4.2004.

 

»Es ist, (…) die Avantgarde des biotechnischen Zeitalters. Die Berliner Bananenrepublik im NS-Design.«

 – DIE ZEIT, 15.04.04.

 

»In his compelling and minutely researched Portrait of the morbid Nazi Society, the author deftly mixes history and sex, science and the occult for a startling new look at the fall of the Third Reich.«

 – DAILY EXCELSIOR, 04.04.2004

 

»Thor Kunkel spent years researching a relatively secret aspect of Nazi history, the production of pornographic films screened at parties for the Nazi elite. (…)Der Spiegel accused Mr. Kunkel of glamorizing the Third Reich and of omitting any mention of the Holocaust.«

– THE NEW YORK TIMES, 02.03.2004

 

»Es braucht schon ein beträchtliches Lakaientum, um Kunkel der „Vernachlässigung des Holocausts” zu zeihen, was (…) im kritischen Ausland nur noch Kopfschütteln und Animosität gegen die doppelbödigen Deutschen hervorruft.«

– AVRAM KOKHAVIV PUBLICATIONS, 21.04.04.

 

»Kunkel goss ein liquides Simulacrum von Zeitgeschichte über die gegenwärtige Misere, und spiegelt ein allerletztes Tabu, das es zu brechen gälte, vor : Die Nazi-Bestien haben verklemmt und gerade im Sexuellen intolerant zu sein, so das landläufige Wunsch-Bild, das einige nicht gefährdet sehen wollen.

So gefoppt und gekränkt, verrissen die feuilletonistischen Selbstdarsteller den Text. Dabei ignorieren sie unfair, dass das verurteilte enfant terrible über eine erstaunlich flotte Feder verfügt, dass der Autor eine riesige Stoffrecherche mit flinker Hand meisterte, wie ihm das gegenwärtig keiner nachmacht im deutschen Literaturbetrieb.«

– SWR 2, 17.04.2004.

 

»Eine sexualpathologische Pulp-Satire, die die funktionale Gegenwart mit Clown-Bildern des dritten Reichs zerlegt. Ein grandioses Buch.«

 – SKUG-MAGAZIN, 5. 5. 2004

 

»Thor Kunkels Roman NS-Porno ist eine Orgie der Geschmackslosigkeit. (…) Daß der Autor Talent hat, merkt man übrigens ab circa Seite 400. Hier liefert er mit grell inszenierten Verfolgungsjagden in der lybischen Wüste satte Pulp Fiction.«

– BERLINER MORGENPOST, 29.3.2004

 

»Dagli Archivi del Terzo Reich emergono documenti, raccolti dallo scrittore Kunkel, su un singolare traffico.«

– IL MATINO, italienische Tageszeitung, 04.02. 2004

 

»Geschichte, sagt man, wiederholt sich nicht. Literaturgeschichte offenbar doch. Jedenfalls erinnert die Skandalisierung von Kunkels Roman stark an das, was Martin Walser vor zwei Jahren mit dem „Tod eines Kritikers“widerfuhr. Hier wie da schwang sich die Literaturkritik im Namen politischer Korrektheit zum Moralapostel auf.«

– HAMBURGER ABENDBLATT, 10.4.2004

 

»Die Provokation besteht darin, daß das Dritte Reich aus der Innenperspektive geschildert wird. Das heißt, die Leute, die uns das schildern, sind Nazis. (…)

Ich habe dieses Buch mit großem Genuss in sehr schneller Zeit gelesen und fand es eine monströse, horrorfilmartige Innenperspektive eines Systems, das sonst immer nur aus der Perspektive der Opfer geschildert wird.«

– Dirk Schümer in der SWR-Sendung „BÜCHERTALK“, 12.5.2004

 

»Die Literaturkritik überbot sich daraufhin in Bekundungen des Entsetzens und verhalf Kunkel zur Festigung seines Dämonen-Images.«

– MANNHEIMER MORGEN, 16.04.04.

 

»Wann haben wir eigentlich über so etwas das letzte Mal gelacht: ,Ja, so ein Reiber, der braucht keine Weiber’, ,Der Barbier von Sie-will-ja’ ?(…)«

– DIE WELT, 17.3. 2004

 

»Kein Grund zu lachen, darüber haben wir eigentlich noch nie auch nur ein erstes Mal gelacht. (…) Liest man’s in einem Buch, geht’s einem nicht anders, ohne daß man explizit darauf hingecoacht werden müßte. (…)Kunkel schreibt nach dem Prinzip des Show- don’t-tell, er läßt seine Figuren sich durch Taten und Worte selbst demaskieren, anstatt dem Leser das Offensichtliche in artig wertenden Worten zu erläutern. (…) Er setzt – verschrobener Idealist! – auf den denk- und empfindungsfähigen Leser.«

– TINA UEBEL, Autorin, „Horror Vacui“

»Ein Schriftsteller darf geschmacklos sein, manchmal muss er es sogar.«

– FRANKFURTER RUNDSCHAU, 02.04.04.

 

»Thor Kunkel geldt als een van Duitslands grote literaire talenten.«

– HET PAROOL, holländische Tageszeitung,, 16.4.2004

 

»The pornographer doesn’t depict eroticism. What he depicts is money making people complaint.

„Poor voyeurs – truth be told, you only ever get off on the money you yourselves don’t possess.“

If you substitute power for money, I think Thor Kunkel is dead right.«

-JEFFERSON CHASE, for the NEW YORK TIMES, 21.04.04.

 

»Thor Kunkel schreibt besser als die Meisterromanciers von drüben.«

– JUNGE FREIHEIT, 23.04.04.

 

»Über weite Strecken liest sich „Endstufe“ als Gesellschaftssatire einer dekadenten, opportunistischen und realitätsfremden High Society, die die herrschenden politischen Strukturen verdrängt oder zu dumm ist, sie zu begreifen. In diesem Sinne gelingen Kunkel geniale Bilder.«

 – WESER REPORT, 04.04.04.

 

»Geniales Thema, grossartige Sprache und endlich: Rühmann kriegt sein Fett weg (wenn auch posthum!!) !!«

– BELA B., von „Die Ärzte“

 

»Unser 21. Jahrhundert, so sagt Thor Kunkel, hat sich schon 1941 erkennen lassen, – mit dem pornografischen Film als die utopische Dimension einer Zeit, in der “das Fleisch Wort werden könnte«.

– RADIO ZUSA, 27.04.04.

 

»Thor Kunkel says that a failure to recognize evil as a widespread human failing

dooms us to repeat terribble acts of the past.«

– ABC RADIO Australia, in „Books and Writing“, 23.05.2004

 

»Cine Porno Nazi para commerciar – En 1941 hedonistas de las clases altas del nazismo se dedicaron a rodar filmes de porno duro para consumo privado. Pese a su cruzada contra el arte degenerado, el régimen las usó para comprar petróleo extranjero.«

 – EL MUNDO, spanische Tageszeitung, 22.2.2004

 

»Vielleicht klingt das wieder kontrovers, aber das Dritte Reich war die Vorstufe zu einer Entwicklung, die sich im 21. Jahrhundert auswirken wird. Die Pornokratie, – die Herrschaft des Sex, in der wir heute leben -, ist der erste Schritt zu einer Biokratie, die schon bald – durch die biometrische Erfassung der Bürger, Kommerzialisierung des menschlichen Genoms und bioästhische Normierung des Körpers – die Demokratie ablösen wird. (…) «

-Thor Kunkel im Interview mit FOCUS, Nr.15, 05.04.2004

  

»Der Hitlerfaschismus bediente die Interessen der kapitalistischen Welt und verhalf ihr, nicht etwa seinem irrren Ideologem, zum Endsieg, Wer sich dem verweigern will, der lese dieses Buch und höre nicht

auf Kritiken.«

– ALBAN NIKOLAI HERBST, Autor, („Thetis“) auf SWR, 26.4.2004