NEU: Ich werde in Deutschland politisch verfolgt.

PRESSEARBEIT ALS POLITISCHE VERFOLGUNG?

3. Mai 2018 : Anlässlich der Breitseite der neusozialistischen Aufpasserpresse gegen die Verfilmung meines Romans „Subs“ aka HERRliche Zeiten, hier ein paar Gedanken an die primitive Hetzmeute vom Prenzlauerberg

 

Und wenn ich allein stünde –

solange ich recht habe,

ist das völlig in Ordnung.

– „IRON“ MAGGIE THATCHER

 

Am letzten Wochenende erhielt ich – aufgrund der anhaltenden Treibjagd in den Medien – hunderte Emails von Lesern und Journalisten, darunter auch eine Anfrage der NEW YORK TIMES : Would you consider yourself being politically persecuted? – Werden Sie in Deutschland politisch verfolgt? – Do you feel there is an occupational ban? – Empfinden Sie das als Berufsverbot? “

Die deutsche Presse redet wieder einmal mit sich selbst über mich; das passiert so jedes halbe Jahr. Jeder schreibt danach von jedermann ab und bringt dabei stets seine persönlichen Vorurteile ins Spiel. Er kann sich abreagieren auf meine Kosten. Und fühlt sich gefoppt, dass Melanie Amann vom Spiegel mir – dem ersten offiziell „entarteten Künstler“ der Republik und „weißen Nigger der deutschen Literatur“ – „unglaubliche Sprachgewalt“ attestiert, als hätten die Feuilletons das nach Schwarzlicht-Terrarium, Kuhls Kosmos, Endstufe und Subs nicht längst gewusst. Was zum F**k muss ich denn noch alles schreiben? Worum geht es denn in der Literatur, um Erzählen-können oder politischen Kotau mit dem System? Diese Laffen haben mich trotzdem intellektuell ausgebürgert, mit einer Konsequenz, die es eigentlich nur in der Reichsschriftkammer gab.

Natürlich ist es den Medien jetzt peinlich, dass einer, der seit Jahren von ihnen totgeschwiegen wird, plötzlich als Plot-Entwickler und Co-Drehbuchautor eines Roehler-Films genannt werden muss. Das ist Mainstream, bedeutet Kohle, Ansehen, Reputation. Alles Leugnen nützt nichts: Die Protagonisten Claus und Evi Müller-Dodt sind exakt die Protagonisten aus meinem Roman. Dass sie jetzt Claus und Evi Müller-Todt heißen bezeichnet das Ausmaß an Abweichung vom Original. Entgegen der Aussage der Filmproduzentin war von Anfang an klar, das man meinen 450 Seiten-Roman – der von Berlin nach Cannes und New York führt – nicht finanziert bekäme. Oskar überzeugte mich die Essenz der Geschichte in a nutshell zu dehydrieren. Diesen Vorschlag – nur den ersten Teil des Romans umzusetzen – schrieb er mir sogar in sein Lese-Exemplar von „Subs“, das noch immer in meinem Bücherschrank steht. Das geschah auch einvernehmlich mit Oskars Redakteur Wolf Dietrich Brücker. Alle wussten Bescheid. Eine A-lettre-Verfilmung war niemals geplant, wäre auch mit einem Regisseur wie Oskar ein Ding der Unmöglichkeit. Mein erster Drehbuchentwurf endet daher mit der „Römer-Party“ – allerdings im Haus der Müller-Dodts. Auch der Roman vollzieht bereits die Wandlung von  Milieusatire zur Kriminalgeschichte, wenn Evelyn die für tot geglaubte Lana im Keller der Anliegerwohnung entdeckt. Bartos und Lana planten die Übernahme der Villa – alles meine Idee. Das Missverständnis mit den SM-Sklaven, der Bau des Swimmingpools durch die „Balkanmenschen“ genannten illegalen Einwanderer, –  all das steht genau so in meinem Roman. Doch da ich nicht der im Juste Milieu bestens vernetzte Sohn einer linken Gallionsfigur bin, und kein Ausnahme-Regisseur, dem der Presse-Aufseher sogar nachsieht, dass er eine neu eingeführte Figur im Pegida-Slang gegen das „Land von Schwuchteln“ loswettern lässt –, sondern nur ein naturverwahrlostes Kind aus prekären Verhältnissen –, sind die Feuilletons gezwungen geradezu epileptische Gedanken-Pirouetten zu drehen, damit mein Anteil an dem Film stets kleiner, stets unbedeutender wird.

But would you consider yourself being politically persecuted…?

Was ist eigentlich politische Verfolgung in Merkel-Land, seitdem es das Netzdurchsetzungsgesetz gibt, täglich zigtausende Comments auf Facebook weggelöscht werden und Leute vor dem Kadi landen, weil sie irgendeinen grünen Hansel zum Kotzen finden? Könnte man eine Pressearbeit, die auf die Vernichtung von Verdienstmöglichkeiten eines Künstlers abzielt, als Form der politischen Verfolgung betrachten? Könnte man eine Pressearbeit, die unentwegt – über fünfzehn Jahre hinweg – versucht mein Werk zu entstellen oder zu totzuschweigen, eine Form der politischen Verfolgung nennen? Ich denke schon. – Nein, so verfolgt wie man diesen Ai Weiwei in China verfolgt, werde ich nicht. Ich wurde bisher nicht verhaftet, die Antifa hat nur einmal mein Auto abgefackelt, meine Frau wurde nur einmal von einem nach Pisse riechenden Alt-68er in einem Kino beschimpft. Von Facebook – wo doch all die angeblich so „schlimmen Zitate“ herstammen – wurde ich noch nie in meinem Leben gesperrt. Noch nie. Selbst Maas’ Löschtruppen konnten nichts finden. Weil mich der ganze Rechts/Links-Scheiß nicht interessiert: Wenn mich etwas beschäftigt, dann ist es Realität.

But again, would you consider yourself being politically persecuted? – Scheißfrage. Nein. – Aber so beim zweiten gruseligen Nachdenken? – Ja.  Ganz offensichtlich werde ich allerdings schon seit Jahren politisch verfolgt, ich habe mich an den Zustand gewöhnt. Man redet nicht mit mir, sondern schreibt stattdessen einseitige Artikel in sämtlichen großen Tageszeitungen über mich. Es ist geradezu bezeichnend für totalitäre Regime, dass man „Verdächtige“ (Zitat J. Scholl, Deutschlandfunk) niemals und unter keinen Umständen persönlich zu Wort kommen lässt. Warum das so ist? Ganz einfach: Präsenz in den Mainstream Medien steigert Marktwert. Präsenz erlaubt es dem Verfemten zuletzt doch noch Karriere zu machen. Nein, die Präzeptoren der politisch-medialen Aufseherkaste wissen das zu verhindern; denn sollte der Verfemte gewinnen, würde das doch ihren Bedeutungsverlust und infolgedessen sozialen Abstieg nach sich ziehen. Solange sie nur über mich schreiben, bleiben sie über mir, und dabei verhalten sie sich geschickter als die chinesische Provinzpolizei. Stasi-Niveau haben sie aber trotzdem noch nicht erreicht: Das meiste, was die ZEIT, die FAZ und die Süddeutsche ihren treuen Lesern in der letzten Woche servierte, war nicht mehr als die übliche Sozialpornografie, Facebook-Schlüsselloch-Müll. Ja, okay, ich empfinde die mediale Verschleierung von Ehrenmorden als Beziehungstaten ( inzwischen gibt es Dutzende „Marias aus Freiburg“ und „Miriams aus Kandel“)  unerträglich. Der Mitmensch in mir möchte nicht, dass es noch mehr junge, naive Willkommenspussies erwischt. Doch zu glauben, dass sich aufgrund meiner Ansichten, irgendjemand davon abbringen ließe, heute am 3. Mai ins Kino zu gehen, zeigt wie weltfremd die Schnüffler geworden sind: Eure Internet-Fundstückchen sind keine schwerwiegenden Ergebnisse einer tiefenpsychologischen Befragung, diesen Schwindel haben auch einfältigste Bildungsbürger durchschaut. Andere „Journalisten“ durchsuchten letzte Woche noch einmal wie ausgehungerte Trüffel-Schweine meine Romane um dem staunenden Leser verdächtige Brocken zu präsentieren. Wie man das  macht, zeigte die ZEIT in ihrem Artikel. „Nicht die Gerechten haben den Krieg gewonnen«, so stand es zum Beispiel in Kunkels Endstufe, „sondern die Brutalen.“ Ach ne, ehrlich, stand das so da? Nirgends eine Anmerkung, dass es sich um eine Aussage handelt, die von mir zur indirekten Charakterisierung der Anti-Heldin Lotte, einer überzeugten Nationalsozialistin, eingesetzt wurde. Wie schon oft zuvor legt die Möchtegern-Stasi mir Rollenprosa in den Mund.

Aber reicht das aus um von „politischer Verfolgung“ zu sprechen? In Deutschland? Would you consider yourself being politically persecuted?

I definitely got politically stalked. Irre und Halb-Irre heften sich alle paar Monate auf meine Fersen. Stalker – wie Florian Farken von Correctiv – telefonieren sogar mit meinen Kunden, in der Absicht Werbeverträge zu kippen. Privatpersonen stellen sich an mich zu durchleuchten, mir die Därme zu zählen, wie man bei uns in Hessen sagt. Selbst in meinem Debüt Das Schwarzlicht-Terrarium (2000) wurden letztes Jahr (2017) noch neue „Stellen“ entdeckt, Stellen, aus denen endlich ersichtlich schien, ich fröne insgeheim eines „lässigen Rassismus.“ Dabei hatte ich doch nur zu diesem Zeitpunkt einer neuen politischen Kraft etwas Geburtshilfe geleistet. Komisch, dass das zeitlich zusammengefallen war… Nun, jeder der das Terrarium und Kuhls Kosmos kennt, – so rund tausend Seiten, die im wesentlich Facetten meiner Jugend im Frankfurter „Kamerun“ der späten Siebziger Jahre bespiegeln – , wird mir beipflichten, dass sich in diesen Romanen nichts Fremdenfeindliches findet. Ganz im Gegenteil: Hier wird eine gut funktionierende, multikulturelle Gesellschaft geschildert, in der sich deutsche Halbstarke, US-amerikanische G.I.s und die Söhne von Gastarbeitern bestens verstehen. Das peinliche Getue um Integration war damals nicht nötig, weil sich die Söhne von Italienern, Spaniern, Griechen und Polen nicht in Parallelgesellschaften abschotteten, normales Deutsch sprachen und bestenfalls bei einer Fußballweltmeisterschaft einen kleinen, folkloristischen Anfall bekamen: Sie waren de facto Deutsche. Und das sind sie bis heute geblieben. Keiner meiner alten Kumpels mit Migrationshintergrund hat mir die Freundschaft gekündigt, weil ich das Verschleiern von Frauen- und Messermorden und die wohlfeile Unterschlagung der Täterherkunft durch die deutsche Presse öffentlich kritisiere. Andere uralte Freunde (aus dem Mezzogiorno/Süditalien) empfinden es aber unerträglich, das sie aufgrund der Pressebezeichnung „Südländer“ mit straffälligen, nordafrikanischen Einwanderern in einem Topf landen! Wenn der Islamkenner Bassam Tibi schreibt, er „höre ein bäuerliches, beziehungsweise ein Slum-Arabisch“ von den Zuwanderern, dann sollte es die Medien allmählich hellhörig machen. Tut es aber nicht.

Das alles beantwortet noch immer nicht die Frage der NEW YORK TIMES: Would you consider yourself being politically persecuted? An dieser Stelle schweigt der entartete Künstler in mir und überlässt seinem alten Freund Oskar das Wort. Der schrieb mir gestern in einer selten ernüchterten Art: „Lieber Thor, (…) ich weiß, wie sehr man verletzt werden kann, ohne die Chance zu haben, sich zu wehren. Diese Leute verderben nach und nach den Boden und sorgen dafür, dass nicht das kleinste Pflänzchen mehr wächst. Sie haben die Macht. So sieht’s aus, und deine Hoffnung, dass eines Tages eines Kehrwende kommt, wird nicht stattfinden. Sie werden versuchen Leute wie dich immer wieder zu demütigen, solange du dich dagegen wehrst. Mir tut es leid, dass wir da hineingeraten sind.“

Meine Hoffnung, ach ja… Leider heiße ich nicht Ai Weiwei (oder zum Glück) und bin kein Asiate, denn dann wäre es für die geistig verwirrten Medien vielleicht einfacher sich selbst bei ihrer menschenverachtenden Arbeit zuzusehen … Ich würde trotzdem nicht sagen, ich werde politisch verfolgt, denn ich habe Deutschland bereits 2009 aufgrund unentwegter Schikanen durch Kapos des Kulturbetriebs verlassen, ich konnte einfach nicht mehr. Für die deutsche, linksliberale Presse bin ich nur Menschenmaterial, das sie im negativen Sinne vereinnahmen, indem sie nur sezieren, statt ihm die Möglichkeit einzuräumen sich zu äußern. Sie sehen es exakt so wie eine Veranstalterin, die mir – anlässlich einer Ausladung in letzter Minute – frank und frei attestierte, ich hätte „ein Recht meine Meinung zu sagen, aber müsse auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen“.

Im übrigen trifft die Feuilletons keine Schuld: Sie wollten nie, dass ein preisgekrönter deutscher Schriftsteller über die unerträgliche Lebenswirklichkeit seiner Mitmenschen schreibt. Schon gar nicht kontextuell. Andere tun das doch auch nicht, sondern schreiben jetzt brav so liebe Flüchtlingsgeschichtchen, vom kleinen Refutschi mit den rehbraunen Äuglein, der nichts weiter will als Liebe, Zuneigung und Verständnis,

Da ich nie angetreten bin um Gefälligkeitsliteratur zu schreiben, wird es diese gequirlte Scheiße auch in Zukunft nicht geben. Ergo wird die Bande mich weiterhin bekämpfen und so zu tun als ob große Literatur nichts mit Politik zu tun haben dürfe – Ausnahme natürlich der SPD-Werber Günter Grass, der vor ein paar Jahren den Nobelpreis erhielt, und natürlich der unverwüstliche Oh Weiwei (heißt der eigentlich wirklich so?), der „keinen Unterschied zwischen Aktivisten und Künstler“ sieht. Die Qualität seines Werkes wird bekanntlich folgendermaßen begründet: „Ai Weiwei kommentiert in seinem Werk die gravierenden Veränderungen, die in China seit der wirtschaftlichen Öffnung stattfinden. Er kritisiert die Verstöße gegen die Menschenrechte, wirtschaftliche Ausbeutung und Umweltverschmutzung und bezieht sich nicht nur auf die künstlerische Traditionen Chinas, sondern auch auf (…) Wegbereiter des Dadaismus.“

Nun denn: Ich kommentiere in meinem Werk die gravierenden Veränderungen, die in Deutschland seit der illegalen Öffnung der Grenzen stattfinden. Ich kritisiere die fortschreitende Einschränkung der Meinungsfreiheit, die bereits real existierende Gesinnungsdiktatur, die mir wie die Inkubationsphase eines neuen Totalitarismus erscheint. Dabei beziehe ich mich nicht auf die Tradition der Langweiler (Böll, Grass, Lenz), sondern auf echte Erzähler wie Gottfried Benn, Stefan Zweig und Ernst Jünger. Freut euch daher schon hier und heute auf den ersten Teil meiner „Buntland“-Trilogie, der noch dieses Jahr pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheint. Denn ganz gleich ob man mich in Deutschland auch weiterhin politisch verfolgt, ich habe längst weitergeschrieben: TRUE force. All the King’s men can not put together again. Sie können mich verfolgen, aufhalten können sie mich nicht.

Genau das habe ich der NEW YORK TIMES heute morgen geschrieben.

 

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BUNTLAND ist die neue Roman-Trilogie von Thor Kunkel. Erscheinungsjahr des ersten Teils: 2018. Achten Sie auf dieses Logo.
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